Science-Fiction soll im Idealfalle die aktuellen wissenschaftliche Erkenntnisse weiterdenken und deren Folgen in der Zukunft in Form von Geschichten beschreiben. Genau um eine solche Geschichte handelt es sich bei dem 1958 erstmals veröffentlichten Roman „Aufstand der Roboter“ von Edmund Cooper. Ich finde es stets faszinierend, zu lesen, wie man sich Anfang der 60er Jahre die Zukunft vorgestellt hat. Daher war ich gespannt, was mich erwartet.
Edmund Cooper
Geboren am 30. April 1926 in Marple, Cheshire, Großbritannien verließ mit 15 die Schule und arbeitete zunächst als Hilfsarbeiter und zum Ende des Krieges als Funker in der Handelsmarine. Es folgte eine Ausbildung zum Lehrer und er unterrichtete Englisch und Kunst. Nach ersten Science-Fiction-Erzählungen erschien sein Debüt-Roman unter dem Titel „Deadly Image“ (später neu veröffentlich unter dem Titel „The uncertain Midnight“) im Jahr 1958. 1961 wurde dieser Roman unter dem Titel „Aufstand der Roboter“ auch in Deutschland veröffentlicht. Coopers bevorzugte Themen drehten sich meist um Roboter, Androiden, Postapokalypsen und gesellschaftliche Umbrüche. Cooper starb 1982 an den Folgen seines exzessiven Alkoholkonsums.
Wenn Roboter die Menschen versklaven möchten
Infolge eines Unfalls verfällt John Markham in einen 146 Jahre andauernden Tiefschlaf, aus dem er in einer völlig veränderten Welt wieder aufwacht. Die Menschen haben sich Andoiden geschaffen, die sämtliche Aufgaben des Alltags übernommen haben, damit sie sich dem Vergnügen und der Genusssucht hingeben können. Sie bemerken dabei nicht, dass die Roboter sich immer mehr in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens hineindrängen. Erst Markham erkennt, dass die Maschinen versuchen, die Welt in eine lebensfeindliche Diktatur zu verwandeln. Zunächst eher widerwillig wird er zum Anführer des menschlichen Widerstands und erhält dabei unerwartete Unterstützung.
Eine gar nicht mal so unrealistische Vision
Wann ist der Zeitpunkt erreicht, wo die Bequemlichkeit des Menschen und deren Abhängigkeit von der Technik sie blind vor den Gefahren werden lässt und sie nicht mehr zurück können? Ich wage mal die steile These, dass wir von diesem Punkt nicht mehr allzu weit entfernt sind. Schon jetzt gibt es Menschen, die ohne Internet, ihr Smartphone oder ihr Auto in völlige Verzweiflung verfallen, ganz so, als habe man ihnen ein Körperteil amputiert. Diesen Grundgedanken beleuchtet auch Edmund Cooper in seinem Roman und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis. Dabei bedient er sich eines Protagonisten, der die gesamte Entwicklung hin zum kollektiven Müßiggang nicht miterlebt hat. Durch seine Distanz und sein Wissen darüber, wie es vorher war, kann Markham das Zerstörerische in dieser Lebensweise erkennen. Noch während er überlegt, wie er dieser lethargischen Gesellschaft entfliehen kann, lernt er Widerständler kennen, die mit dem System ebenfalls nicht einverstanden sind. Und diese Menschen sehen in ihm einen Heilsbringer und Anführer, der er eigentlich nicht sein will. Dennoch stellt er sich den Robotern entgegen und erhält überraschend Hilfe, die auch als Botschaft verstanden werden kann: Nicht alles am Fortschritt ist schlecht.

Cooper behandelt in seinem Roman ein beinahe schon klassisches Science-Fiction-Thema. Blockbuster wie die Terminator-Serie oder „Matrix“-Triologie haben sich dieses Themas bereits in unterschiedlichen Varianten angenommen. Doch eines der besten und im Zusammenhang mit dem vorliegenden Roman zutreffendsten Beispiele ist der hervorragende Animationsfilm „Wall-e“ aus dem Jahr 2008. Auch hier wird der Menscheit angesichts einer drohenden Gefahr plötzlich deutlich gemacht (in diesem Fall von einem ausgedienten Müllsammel-Roboter), dass ihre Trägheit und ihre Unfähigkeit zu selbständigem handeln in ihrem Ende münden wird, sollte sich an ihrem Verhalten nichts ändern. Mit ein wenig Phantasie kann dieses Szenario auch leicht auf unsere aktuelle Gesellschaft übertragen werden, doch darum soll es hier nicht gehen.
Eigentlich eignet sich „Aufstand der Roboter“ hervorragend für eine Verfilmung. Die Elemente sind wie geschaffen dafür. Es gibt den desillusionierten Protagonisten, eine (wenn auch recht ungewöhnliche) Liebesgeschichte, tapfere Kämpfer, ein futuristisches Setting, Action, eine Reihe von Gegenspieler und einen sozialkritischen Hintergrund. All dies macht den Roman unterhaltsam und er lässt sich aufgrund des leichten Schreibstils schnell durchlesen. Das Verhalten von Markham ist zudem insgesamt nachvollziehbar, was es dem Leser leicht macht, sich mit ihm identifizieren.
Einziger Mangel, der das positive Bild ein wenig trübt, ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Ereignisse entwickeln. Das wirkt etwas unrealistisch, fällt aber in Summe nicht so sehr ins Gewicht. Auch erscheint Markham zeitweise seltsam emotionslos, doch kann das auch ein rein subjektiver Eindruck sein. Ungeachtet dieser kleinen Unzulänglichkeiten kann ich das Buch jedem Science-Fiction-Freund empfehlen, der leichte Unterhaltung mit kritischer Färbung mag. Vielleicht regt die Handlung ja den einen oder anderen sogar zu einigen Gedanken zum aktuellen Lebensstil an.

