Es gibt Schriftsteller, die sich mit ihren Werken in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Immer wenn ich nach meinen Favoriten gefragt werde, fallen mir jene Autoren ein, die mir schlaflose Nächte bereitet haben. Robert Ludlum ist einer davon. Bereits eine ganze Reihe seiner Romane haben mich in der Vergangenheit hervorragend unterhalten und gefesselt. Dass es auch einmal anders kommen könnte, hätte ich daher nie gedacht.
Der Bestsellerautor Robert Ludlum kam 1927 in New York City zu Welt, und bevor er zum weltberühmten Schriftsteller wurde, hatte er bereits eine Karriere als Broadway-Produzent hinter sich. Gelegentlich war er auch als Schauspieler tätig. Ende der 70er Jahre begann er mit dem Schreiben. Gleich sein erstes Buch „Das Scarlatti-Erbe“ wurde ein Bestseller, wie auch alle 22 weiteren Romane, die zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden. 2001 starb Ludlum mit 73 Jahren an einem Herzinfarkt.
Zunächst einmal sei vorausgeschickt, dass Ludlum den Roman „Die Halidon-Verfolgung“ (im Englischen „The Cry of Halidon“) im Jahr 1974 unter dem Pseudonym Jonathan Ryder veröffentlichte. Schon bei der Skizzierung der Handlung stoße ich aber auf ein Problem. Denn da sich mir der Plot angesichts seines verwirrenden Verlaufs nicht so recht erschließen wollte, kann ich ihn nur in groben Zügen wiedergeben.
Es geht um Alexander McAuliff, einen Wissenschaftler, der für den reichen Unternehmer Julian Warfield eine geologische Landvermessungen auf Jamaika durchführen und hierfür ein Gutachten erstellen soll. Angesichts der fürstlichen Entlohnung von einer Million Dollar nimmt er den Auftrag an. Einzige Bedingung, die an ihn gestellt wird, ist die strikte Einhaltung einer Verschwiegenheitsvereinbarung. Als sich kurz darauf jedoch der britische Geheimdienst bei ihm meldet, dem das Projekt in Dorn im Auge zu sein scheint, ist er gezwungen, diese Vereinbarung zu brechen, und seine Arbeiten nehmen eine unerwartete Wendung.
Zunächst schien es so, als würde man es mit einem typischen Ludlum zu tun haben. Es gab einen toughen Hauptakteur, einen geheimnisvollen Auftraggeber und ein Geheimnis, das es zu ergründen gab. Weshalb lag Warfield so viel an einer Geheimhaltung? Eine erste Beantwortung dieser Frage scheint sich aufzutun, als McAuliff von Holcroft, einem Agenten der British Intelligence, angesprochen wird. Doch es stellt sich heraus, dass auch die britische Regierung noch recht unwissend ist, aber wenigstens soviel vermutet, dass sie Warfield beobachten lässt.
Ab diesem Zeitpunkt beginnt dann die Verwirrung. Es mag ja der Spannung durchaus zuträglich sein, wenn man nicht genau weiß, wer zu den Guten und wer zu den Bösen im Spiel gehört. Doch der Hauptcharakter sollte an dieser Frage zumindest ein gewisses Interesse zeigen, da ansonsten dem Spannungsbogen schnell jede Spannung genommen wird. McAuliff agiert im ersten Drittel des Romans, als sei er nur Zuschauer. Emotionen, Ärger angesichts der offensichtlichen Tatsache, dass er eine Art Spielball verschiedener Mächte zu sein scheint, oder gar das Reifen eines Plans, wie er dem Wirrwarr entkommen könnte, fehlen zunächst völlig.

Zumindest entwickelt sich irgendwann eine zentrale Frage heraus, um die sich am Ende alles dreht: Was ist Halidon? Daran ist offensichtlich auch McAuliff zu interessiert. Erst als sich ihm die Lösung quasi auf dem silbernen Tablett präsentiert, scheint er aufzuwachen. Doch ändert das nichts an der Tatsache, dass er nach wie vor den Eindruck erweckt, nur in der zweiten Reihe zu stehen, selbst als er die Initiative ergreift.
Dieser Eindruck liegt vor allem an den Dialogen, die zumindest mir etwas undurchsichtig und irgendwie falsch erschienen. Vielfach sorgten sie dafür, die Verwirrung nur noch zu vergrößern. Denn aus dem anfänglich sehr auf McAuliffs Auftrag beschränkten Kontext entwickelt sich im Laufe der kruden Handlung erheblich mehr, was auch die Anwesenheit der britischen Regierung erklärt.
Das hat zur Folge, dass schließlich alle anderen Akteure, die nach und nach die Szene betreten, plötzlich ganz andere Rollen einnehmen, als sie zunächst vorgaben. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist die Verwirrung komplett.
Vielleicht lag es ja an meiner ganz persönlichen Situation, als ich den Roman las, und vielleicht war meine Erwartungshaltung an ein Werk von Robert Ludlum eine Nummer zu hoch gesteckt, aber „Die Halidon Verfolgung“ hat zu keinem Zeitpunkt die Spannung erreicht, die ich von dem Autor kenne. Stattdessen hatte ich arge Probleme, dem Plot zu folgen. Immer wieder wurde ich von Dialogen, sich plötzlich verwandelnden Figuren oder Szenen, deren Sinn sich mir entzog aus der Handlung geworfen. Ständig musste ich mir die Frage stellen: Was war denn das jetzt? Mehrfach sah ich mich gezwungen, zurückzublättern, um den Anschluss wiederzufinden und die Zusammenhänge irgendwie wieder in die Reihe zu bekommen.
Ja, im Kern hat Ludlum sein Gesicht wahren können und thematisch etwas abgeliefert, das zu seinem Markenzeichen gehört. Doch die Mängel der verwirrenden Handlung und der unbeteiligten Akteure wiegt das keinesfalls auf. Wer also Romane, wie „Die Bourne Identität“ oder „Der Ikarus-Plan“ liebt, wird von diesem Ludlum vermutlich enttäuscht sein.

