Dean Koontz
Drachentränen
Unterhaltsamer Copthriller mit übersinnlichem Bösewicht
An dieser Stelle sollte eigentlich das Cover des beschriebenen Buches abgebildet werden. Leider lässt dies unser deutsches Urheberrecht nicht zu. Daher müsst Ihr leider mit einem Symbolbild Vorlieb nehmen.

Ob ein Buch, ein Film oder auch ein Musikstück unterhält, ist immer abhängig vom persönlichen Geschmack, individuellen Gefühlswelten und oft auch von der gegenwärtigen Situation. Ich behaupte aber, dass ich in einer Vielzahl von Fällen anhand bestimmter Randparameter schon sehr früh eine erste Ge- oder Missfallensprognose abgeben kann. So war es auch bei dem soeben konsumierten Buch „Drachentränen“ von Dean Koontz. Obwohl ich zuvor noch nie ein Buch dieses Autors gelesen hatte, war ich überzeugt, dass ich Gefallen daran finden würde. Auf den ersten Blick ist es dann auch so gekommen.

Ein Meister seines Fachs

Dean Ray Koontz zählt unbestritten zu den Meistern der phantastischen Literatur. Oft wird er in einem Atemzug mit Stephen King, Peter Straub oder John Saul genannt. Der 1945 geborene Koontz wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, denen er entfloh, indem er sich in Bücher vertiefte. Mit zwanzig gewann er einen Schreibwettbewerb, der ihn dazu veranlasste, im Schreiben seine Bestimmung zu suchen. Zunächst wollte sich aber kein rechter Erfolg einstellen, auch weil er von den Verlagen immer wieder übervorteilt wurde. Erst 1981 schaffte es erstmals ein Buch von ihm in die Bestsellerlisten. „Flüstern in der Nacht“ ist, wie auch viele seiner späteren Werke, keinem eindeutigen Genre zuzurechnen. Koontz vermeidet bewusst, sich festzulegen und mischt oft Stilelemente von Fantasy, Horror, Thriller oder Science Ficiton miteinander.

Das Böse gegen eine illustre Gruppe

Im Zentrum der Geschichte steht der Polizist Harry Lyon. Er betrachtet seinen Job als Berufung und ist stets in allem, was er tut, äußerst korrekt. Er arbeitet zusammen mit Connie Gulliver, die das genaue Gegenteil von ihm ist: Grob, unkontrolliert, jähzornig. Sie haut lieber erst einmal zu oder schießt und fragt dann. Dennoch verstehen sich beide sehr gut, was sie auch gleich zu Beginn des Buches unter Beweis stellen müssen. In einem Restaurant erschießt ein verrückter Elvis-Fan wahllos Menschen. Harry und Connie heften sich an seine Fersen und nach einer nervenaufreibenden Verfolgungsjagd erschießt Harry den Killer. Er ahnt nicht, dass er damit sein eigenes Todesurteil unterschrieben hat.

Denn er erregt damit die Aufmerksamkeit von Bryan. Nicht nur, dass Bryan mit seinen zwanzig Jahren an gewaltigem Größenwahn leidet, er ist auch in der Lage, diesen Wahnsinn mit übersinnlichen Fähigkeiten auszuleben. In der festen Überzeugen, sich in Kürze in ein Gottwesen zu verwandeln, hat er es sich zum Ziel gemacht, alles Schmutzige und Unwürdige von der Erdoberfläche zu tilgen und den Rest der Menschheit zu versklaven.

Zu den bedauerlichen Auserwählten zählen seiner Ansicht nach der Penner Sammy, ein ehemaliger Immobilienmakler, und die obdachlose Janet, die ihren gewalttätigen Mann getötet und seine Leiche in der Wüste verscharrt hat. Sie lebt mit ihrem Sohn und einem zugelaufenen Hund in einem Auto. Durch grässliche, scheinbar unbesiegbare Kreaturen, die der wahnsinnige Bryan aus Erde formt, lässt er Janet, Sammy und Harry mitteilen, dass sie innerhalb der nächsten 24 Stunden sterben werden. Harry und Connie haben aber keine Lust darauf und machen sich auf die Suche nach Bryan. Es wird ein Lauf gegen die Zeit bis zum Showdown, bei dem vor allem der Hund eine gewichtige Rolle spielt.

Spannend mit dem Hauch eines Augenzwinkerns

„Drachentränen“, ein Titel, dessen Bedeutung sich erst ganz zum Schluss erschließt, ist eine Mischung aus typischer Polizeigeschichte, in der zwei Cops gemeinsam auf Verbrecherjagd gehen, und Horrorroman. Diese Kombination ist nicht sonderlich ungewöhnlich, passt sie doch irgendwie zusammen. Meine ursprüngliche Erwartung eines gruseligen Schockers mit düsteren Schauplätzen, schaurigen Wesen und klaustrophobischer Atmosphäre wurde allerdings nicht erfüllt.

Buchkritik Mystery

Das ist keineswegs schade, denn auch wenn Koontz einige ziemlich brutale Szenen in den Handlungsstrang eingebaut hat und die auftretenden Kreaturen abstoßender nicht sein könnten, schafft er es, die latente Bedrohung für den Leser durch ein zwischen den Zeilen verstecktes Augenzwinkern zu etwas Alltäglichem zu machen. Die Geschichte wirkt fast schon locker und unbeschwert und lässt den Grusel eher wie eine amüsante Geisterbahnfahrt erscheinen. Die Übermacht des Bösen wird relativiert. Den beiden Polizisten bleibt bei dem Versuch, ihr Leben zu retten, kaum Zeit zum Luft holen. Mit Sarkasmus und einer gehörigen Portion Todesverachtung schlittern sie von einer bizarren Situation in die nächste. So unterschiedlich Harry und Connie auch sein mögen, in beiden findet der Leser Eigenschaften und Macken, mit denen er sich identifizieren kann. Das macht sie so sympathisch, wie die Protagonisten einer typisch amerikanischen Krimiserie. Man hofft, dass es ihnen am Schluss gelingen möge, das Böse zu besiegen. Angesichts der unglaublichen Macht, die Bryan im Laufe des Katz-und-Maus-Spiels vornehmlich einsetzt, um Harry zu zeigen, dass sein Widerstand aussichtslos ist, hat man aber bis zum Schluss starke Zweifel, dass der Todesmut des Polizistenduos von Erfolg gekrönt sein wird. Umso überraschender und leider auch etwas enttäuschend ist dann das Showdown, das an dieser Stelle selbstverständlich nicht verraten werden soll.

Fazit

„Drachentränen“ ist ein unterhaltsamer Horror-Cop-Thriller ohne sonderlichen Tiefgang, aber mit einer Prise Humor. Leicht geschrieben und mit sympathischen Charakteren versehen, liest sich das Buch schnell herunter. Es hat mich nicht so massiv gefesselt, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen wollte, doch war es eine durchaus kurzweilige Unterhaltung, die ich gerne zur Hand genommen habe. Da es mein erster Koontz war, habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten mit seinem übrigen Werk. Ich hoffe jedoch auf etwas mehr Grusel in einem der nächsten Bücher, die ich von ihm lesen werde.

Action
4/5
Humor
3/5
Grusel
3/5
Liebe/Romantik
1/5
Mein Urteil
4/5

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