Robert Lory
Das siebte Ich
Das war wohl nix, Mr. Lory
An dieser Stelle sollte eigentlich das Cover des beschriebenen Buches abgebildet werden. Leider lässt dies unser deutsches Urheberrecht nicht zu. Daher müsst Ihr leider mit einem Symbolbild Vorlieb nehmen.

In den Regalen meines Hauses reihen sich etwa 4.000 Bücher aneinander. Viele davon habe ich bereits gelesen, noch mehr interessieren mich nicht. Sie haben es ausschließlich meiner Frau angetan. Aber etwa 500 Werke harren noch darauf, von mir gelesen und dann auch beurteilt zu werden. Darunter befinden sich einige äußerst kuriose Romane, die vor allem aus den 70er Jahre stammen, einer Zeit, in der insbesondere das Science-Fiction-Genre den meisten waschechten Trash hervorgebracht hat. Hierzu zählt in meinen Augen auch “Das siebte Ich” von Robert Lory aus dem Jahre 1974.

Der Autor

Zum Enstieg versuche ich immer, einige Worte zum Autor des Buches zu verlieren, doch musste ich tatsächlich eine Weile im Internet suchen, bis es mir gelang, zu Robert Lory so etwas wie eine Biografie zu finden. Er kam 1936 in Troy, New York, zur Welt und heißt eigentlich Robert Edward Lore. Seine erste Veröffentlichung hatte er 1963 im SF-Magazin “Worlds of If”. Nach einigen SF-Büchern, die er ab 1969 veröffentlichte folgte Mitte der 70er eine Reihe von Dracula- und Horrorromanen. Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, hat Lory seit 1975 nichts mehr veröffentlicht. Soviel zu den kargen Informationen, die ich finden konnte.

Eine Handlung

Worum geht es in “Das siebte ich”? Die Geschichte spielt in in einer fernen Zukunft auf einem der zahlreichen Planeten einer nicht weiter beschriebenen Föderation. Der dortige Herrscher wird unerwartet Opfer eines Mordanschlags. Er war unter der Bezeichnung “Nummer Sechs” Agent der Hunters Associated, einer im ganzen Universum agierenden Untergrund-Organisation, deren Ziele niemand kennt. Um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen, übernimmt ein neuer Agent, Nummer Sieben, der Sechs aufs Haar gleicht, dessen Aufgabe. Doch Sieben ist neugierig und macht sich, auch aus Selbsterhaltungstrieb, auf die Suche nach dem Attentäter.

Die alte Definition von “Trash”

Eingangs habe ich das Wort “Trash” verwendet. Ich denke, dieser Begriff beschreibt diesen Roman tatsächlich am besten. Selten habe ich ein Buch gelesen, das einerseits zwar schräg und etwas hanebüchen ist (bei entsprechender Umsetzung durchaus eine interessante Basis), andererseits aber so unspannend und wenig fesselnd, wie das Hamburger Telefonbuch. Während des Lesens fragte ich mich ständig, wie es möglich ist, Actionszenen derart langweilig zu gestalten. Der Hauptcharakter Nummer Sieben kommt so manches Mal durchaus in brenzlige Situationen, doch durch seine offensichtliche Gleichgültigkeit, und als etwas anderes kann man es kaum bezeichnen, wird nicht einmal ein Hauch von Spannung erzeugt.

Symbol Thema Science Fiction

Vielleicht war es ja die Absicht des Autors, den Protagonisten coole Gelassenheit ausstrahlen zu lassen, doch ist dieser Plan kläglich gescheitert. Hierzu fehlt einfach der passende Wortwitz und eine lebhaftere Sprache. Statt dessen wirkt Nummer Sieben geradezu stoisch und emotionslos wie eine Maschine. Erklärungen, die darauf hindeuten würden, dass er möglicherweise von seinem Auftraggeber, der Hunters Associated, entsprechend konditioniert wurde, gibt es nicht. Und so folgt man einer Handlung, die ein paar Klischees abhakt, deren Nebencharaktere trotz vorhandenem Potenzial nichts als Stichwortgeber bleiben und die am Ende trotz ausschmückungsfähiger Actionszenen nur ermüdet. Der Roman wirkt ideenlos, oberflächlich und trocken. Anflüge von Humor und schrägen Einfällen verpuffen in der Gleichgültigkeit des Erzählstils.

Der Begriff “Trash” hat heutzutage ja eigentlich schon wieder eine positive Färbung, wird er doch häufig in Verbindung mit Kultfilmen, Kultserien oder Kultbüchern verwendet. In Fall von “Das siebte Ich” kann man ihn aber durchaus als das nehmen, was er tatsächlich bedeutet: als Beschreibung eines billigen, anspruchslosen und phantasielosen Machwerks. Sorry, Robert Lory, aber wenn das Ihr Stil ist, habe ich sicher das letzte Buch von Ihnen gelesen.

Action
3/5
Anspruch
0/5
Spannung
1/5
Lesespaß
1/5
Mein Urteil
1/5

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