Robert Ludlum
Der Ikarusplan
Leichte Schwächen und doch ein Ludlum
An dieser Stelle sollte eigentlich das Cover des beschriebenen Buches abgebildet werden. Leider lässt dies unser deutsches Urheberrecht nicht zu. Daher müsst Ihr leider mit einem Symbolbild Vorlieb nehmen.

Mich faszinieren immer wieder Bücher, deren fiktive Handlungen ein gewisses Maß an Wissen zu einem bestimmten Thema voraussetzen. Science-Fiction, die sich in technisch-wissenschaftlichen Details verlieren, Dramen mit vielschichtiger Psychologie oder aber Politthriller, die sich wahrer Begebenheiten bedienen und darum ihre Geschichte spinnen. Ein Meister in dieser letzten Disziplin war Robert Ludlum. Mehrere seiner Romane habe ich inzwischen gelesen und bisher gab es noch keines, das mich nicht gefesselt hätte – und so war es auch bei „Der Ikarusplan“.

Der Autor

Der Bestsellerautor Robert Ludlum kam 1927 in New York City zu Welt, und bevor er zum weltberühmten Schriftsteller wurde, hatte er bereits eine Karriere als Broadway-Produzent hinter sich. Gelegentlich war er auch als Schauspieler tätig. Ende der 70er Jahre begann er mit dem Schreiben. Gleich sein erstes Buch „Das Scarlatti-Erbe“ wurde ein Bestseller, wie auch alle 22 weiteren Romane, die zu seine Lebzeiten veröffentlicht wurden. 2001 starb Ludlum mit 73 Jahren an einem Herzinfarkt.

Plötzlich war es zu Ende – dabei fing es erst an

„Der Ikarusplan“ beginnt mit einer völlig lebensmüden Aktion des Kongressabgeordneten Evan Kendrick. Er will im Alleingang die Geiselnahme von Botschaftsengestellten durch Terriristen im nahen Osten beenden. Dafür holt er sich das OK der CIA, die ihm freie Hand geben. Offensichtlich hat er seine Fähigkeiten aber überschätzt, denn fast wäre die waghalsige Aktion schief gegangen. Nur mit Hilfe von unerwarteter Seite, schafft er es dann doch, seinen Plan umzusetzen. Wieder zurück in seiner Heimat, gerät Kendrick dann aber ohne es zu ahnen ins Visier von zwei Organisationen, die völlig gegensätzliche Ziele verfolgen. Als um ihn herum zahlreiche Menschen sterben und er entsetzt feststellen muss, dass er zum Spielball der Mächtigen zu werden droht, beginnt er sich zu wehren.

Eingangs hatte ich erwähnt, dass mich die Romane von Robert Ludlum immer fesseln. Das stimmte zu Beginn von „Der Ikarusplan“ nicht unbedingt, denn tatsächlich war das Geschehen um die Geiselnahme ungewohnt zäh. Die Geschichte war zwar konsequent erzählt, bot aber wenig wirklich Fesselndes – ganz im Gegensatz zu Ludlums sonstigem Erzählstil. Die Handlungen des Hauptprotagonisten Kendrick konnte man oft kaum nachvollziehen und irgendwie wollte man mit diesem sich selbst überschätzenden Politiker nur schwer warm werden. Sicher, er hatte Charisma, buckelte nicht vor vermeintlich wichtigen Persönlichkeiten und verfolgte zielstrebig seine Ziele. Aber so richtig sympathisch war er nicht. Dennoch las ich weiter und dann war die Geschichte zu Ende – nach einem Viertel des Buches. Verdutzt fragte ich mich, was jetzt noch kommen würde, denn die Handlung hatte einen echten Schluss, der zwar kaum Begeisterungsstürme hervorrief, aber es war eben doch ein deutlicher Abschluss.

Und genau hier lag vermutlich Ludlums Trick. Den Leser verwirren und in einer trügerischen Sicherheit wiegen, um dann erst richtig aufzudrehen. Denn ab diesem Punkt des Buches kam der Verschwörer im Autor wieder zum Vorschein. Jetzt begann er, sein Talent zum Ersinnen von geheimen Ränkespielen auf höchster politischer Ebene, voll auszuspielen. Gleich zwei Organisationen, eine gute, die zunächst unbewusst Böses tut, und eine Böse, die das mit eiskalt berechnender Absicht macht, versuchen Evan Kendrick für sich zu vereinnahmen. Sie instrumentalisieren die vermeintliche Heldentat im nahen Osten und seine rücksichtslos ehrliche Art, auf Missstände in der Politik hinzuweisen, für ihre Ziele – die einen, um die Welt besser zu machen, die anderen, um ihre Macht zu vergrößern. Doch Kendrick ist nicht das willige Werkzeug, und als schließlich mehr und mehr Menschen sterben – darunter auch Freunde – setzt er in gewohnt konsequenter Art einen Plan um, der beide Organisationen enttarnen und unschädlichen machen soll. Ludlum schafft es in diesem zweiten Buchteil, dem leicht überheblichen Abgeordneten ein menschliches Gesicht zu geben. Trotz nach wie vor vorhandendem Anflug von Arroganz – Kendrick ist reich und kann es sich leisten – würde man plötzlich genauso agieren, Vizepräsidenten in ihrem Beisein als Dorftrottel bezeichnen und Druck auf sie ausüben, um sie zum handeln zu zwingen. Und schon ist man wieder gefangen in der Ludlum-Mühle. Das Buch aus der Hand legen wird schwer, denn man will wissen, wie es weiter geht – unbedingt! Wer sind die Mitglieder der Geheimorganisationen, weshalb wussten mit einem Mal trotz strengster Geheimhaltung so viele von der Befreiungsaktion im nahen Osten und wer hat der Presse die Informationen zugesteckt, die ihn beinahe seine Freundschaft zu einem omanischen Sultan kostet?

Spion
Etwas zu sehr Hollywood

Ludlum schafft es geschickt, den Leser mitfiebern zu lassen, indem er nach und nach die Hintermänner ins Spiel bringt. Am Ende fragt man sich nur noch, wie Kendrick das von den Akteuren angerichtet Chaos wieder beheben will und wie er aus den scheinbar verfahrenen Situationen herauskommt. Dabei dringt der Autor tief in die US-Regierungskreise vor, lässt einen amerikanischen Präsidenten aber etwas zu souverän erscheinen, einen Stabschef etwas zu patriotisch und eine CIA-Agentin etwas zu schön. Dennoch ist das Thema eng verflochten mit einer Frage, die sich jeder Politikinteressierte bereits irgendwann einmal gestellt hat: Regieren die Regierungen wirklich selbst oder werden sie vielleicht fremdgesteuert. Verschwörungstheoretiker kommen hier voll auf ihre Kosten (wie in vielen Ludlum-Romanen). Wenn auch die Handlung sehr an einen Hollywoodfilm mit Action, Romanze, Agenten und harten Kerlen erinnert, so bestätigt der Kern doch irgendwie, was man schon immer gedacht hat, wenn die Regierung mal wieder eine bürgerfeindliche Entscheidung getroffen hat: Dieses Gesetz haben andere beschlossen. Und vielleicht gibt es ja wirklich einige Superreiche, die sich ihr Geld zunutze machen, um damit Gutes zu tun, ohne Publicity und ohne Ehrungen. Wäre doch eine schöne Vorstellung.

Fazit

„Der Ikarusplan“ wird nach einem eher schwachen Start zu einem beinahe typischen Ludlum: fesselnd, spannend und actionreich. Insgesamt ist die Geschichte aber oberflächlicher, als andere Ludlum-Romane und geht damit problemlos als leichte Kost durch. Hollywood hätte an dem Plot aber sicherlich sein Freude. Doch trotz dieser Schwächen bleibt der Ludlum-Stil deutlich erkennbar. Er greift ein brisantes Thema auf und verpackt es in eine unterhaltsame, wenn auch zeitweise sehr blutige Story. Freunde des Politthrillers kommen daher vermutlich voll auf ihre Kosten. Hardcore-Ludlum-Fans könnten aufgrund der Oberflächlichkeit ein wenig enttäuscht sein. Ich als Ludlum-Fan bin es nicht.

Action
5/5
Anspruch
3/5
Spannung
5/5
Suchtfaktor
4/5
Mein Urteil
4/5

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