Unsere Welt ist noch nicht bereit...
Warum wir die schöne Star-Trek-Welt vorerst nicht erreichen werden

Nein, die Zeit ist noch nicht gekommen, wo Klingonen, Vulkanier und Menschen sich gemeinsam und vorurteilsfrei den politschen und individuellen Herausforderungen stellen. Denn die Vulkanier halten sich noch immer für die bessere, die intelligentere Rasse und sprechen diese Eigenschaften dem gemeinen Klingonen ab. Die Menschen hingegen haben Angst vor allem und jedem Fremden, schotten sich ab und bekämpfen, was sich ihnen und ihren verkrusteten Ideologien auch nur auf Sicht nähert. Veränderungen bedeuten öffnen, akzeptieren oder zumindest tolerieren müssen. Aber spitze Ohren oder eine Knochenwulst auf der Stirn sind krank, das muss weg oder besser, gar nicht her. Und dann noch die schwarze Haut dieser Barbaren, ganz abgesehen von der Lebensweise, ihrem Essen, dem Verständnis von Ehre und Würde. Ehre und Würde? Natürlich haben auch die Menschen Ehre und Würde, aber doch nicht so. So ist das krank und muss eleminiert werden. Denn es passt nicht in den begrenzten Horizont der Menschen. Und die Klingonen? Sie wurden über Generationen zu harten Kämpfern erzogen, die Gefühle gefälligst zu unterdrücken haben. Und dann sollen sie sich plötzlich auf die weichen Menschen und die kopflastigen Vulkanier einlassen? Das ist gegen ihre Natur, gegen Ehre und Würde. Eine Erniedrigung. Da hat es der Vulkanier schon leichter. Er betrachtet sich schlichtweg als überlegen, igelt sich ein in seine Überheblichkeit und reagiert auf Menschen und Klingonen, wie auf kleine Kinder (die auch bei den Vulkaniern schon zur Überheblichkeit erzogen werden) oder besser wie auf Haustiere. Der Vulkanier lässt gewähren. Sollen sie sich doch alle gegenseitig zerfleischen. Hauptsache man erkennt seine Überlegenheit an.

Dann kommt der Tag, an dem der Mensch, der Klingone oder sogar der überlegene Vulkanier von den Borg bedroht wird. Eine Bedrohung, die sie durch Unwissenheit, Verbortheit, vielleicht auch durch ihr Streben nach Macht und Reichtum selbst ins Leben gerufen haben. Der Heimatplanet ist in Gefahr und es kommt zur Flucht – die Vulkanier zu den Menschen, die Klingonen zu den Vulkaniern, die Menschen zu den Klingonen – wie auch immer. Völlig egal. Doch niemandem auf den Zielwelten, in welcher Konstellation auch immer, gelingt es, über den eigenen ideologisch beschränkten Schatten zu springen. Denn da kommt das Böse, das Fremde, das Falsche. Was wird es mit uns machen? Wird es uns assimilieren? Wird es uns töten? Wird es unsere Würde und unsere Ehre angreifen? Keiner kommt auch nur auf die Idee, dass es schlichtweg Angst um die eigene Existenz ist, fern von Macht- und Profitdenken, die die vermeintlich Fremden aus ihrer Heimat vertreibt. Den auch ein Klingone, ein Vulkanier oder ein Mensch will vor allem eines: Sich und seiner Familie ein friedliches und freies Leben ohne Bedrohung und Angst sichern. Am liebsten in ihrer Heimat, doch wenn es dort nur Tod und Zerstörung gibt, dann eben bei den anderen. Denn das Andere, das Fremde, sieht plötzlich gar nicht mehr so bedrohlich aus und man beginnt, zu verstehen, die eigenen Gedankengrenzen zu überwinden – weil man es muss. Und aus dem Müssen wird ein Wollen und schließlich ein Können.

Wie wir alle wissen, haben es Klingonen, Menschen und Vulkanier am Ende auch geschafft. Streitigkeiten gibt es auch weiterhin und es gibt auch Arschlöcher unter allen drei Rassen. Doch sind die Konflikte nie rassistisch (Ausnahmen gibt es immer – siehe Arschlöcher), nie auf die Herkunft bezogen, sondern immer weitgehend so, wie sie auch innerhalb der einzelnen Rassen selbst vorkommen.

Star Trek
Foto: svenwerk – CC BY-NC-ND 2.0

Vulkanier, Menschen und Klingonen haben verstanden, dass der andere zwar fremd und ungewöhnlich ist, dass sein Blickwinkel aber auch interessant sein kann, seine Sicht des Universums die eigene Perspektive erweitert und toleranter macht. Dabei muss niemand die eigene Identität aufgeben. Klingonen leben weiterhin in Ehre und Würde, Menschen haben weiterhin einen leicht unnahbaren Lebensstil und Vulkanier bleiben weiterhin ein wenig hochnäsig, doch wird es von den anderen als gegeben hingenommen. Es ist die Identität des anderen, die man als solche akzeptiert hat, wie man die offene Zahnpastatube bei seinem Partner akzeptiert.

Doch von diesem Punkt ist die Welt, in der wir zurzeit leben, Lichtjahre entfernt. Solange kleinkarierte deutsche Rassisten hinter braunen Pegida- und AfD-Pöblern herrennen, Regierungen Asyl- und Notstandspakete auf den Weg bringen, die nichts anderens sind als unmenschliche Abschottungsmaßnahmen und solange es genügend dumme Menschen gibt, die einen Donald Trump zum Präsidenten wählen wollen, solange wird die Star-Trek-Welt Fiktion bleiben. Das wirklich Böse, das sich selbst “Islamischer Staat” nennt, aber mit dem Islam so wenig zu tun hat, wie Kartoffelbrei mit einem Stützpfeiler der Golden Gate Bridge, wird der Mensch, werden unsere Regierungen nur bekämpfen können, wenn die Grenzen im Kopf genauso fallen, wie das hemmungs- und skrupellose Macht- und Profitdenken. Da dies aber in der Natur des modernen Menschen zu stecken scheint, bleibt selbst die Hoffnung auf der Strecke.

Nein, unsere Welt ist noch nicht bereit für Vernunft. Deshalb leben Menschen, Vulkanier und Klingonen noch immer nicht in Frieden zusammen – doch der Tag wird kommen, irgendwann.

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